Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen in Nepal ist sehr schlecht ausgebaut. Während auf dem Land – wo die überwiegende Mehrheit der Nepalesen lebt – in staatlichen Gesundheitszentren oft nur Pflegepersonal, aber keine Mediziner anzutreffen sind, findet man in der Hauptstadt Kathmandu Dutzende Spitäler, darunter bestens ausgestattete private Kliniken, die sich allerdings kaum ein Einheimischer leisten kann. Das grosse Stadt-Land-Gefälle zeigt sich auch äusserst eindrücklich in der Ärztedichte: Auf dem Land kommt ein Arzt auf 150‘000 Einwohner, in Kathmandu ein Arzt auf 850 Einwohner. In staatlichen Spitälern werden Medikamente gratis abgegeben – allerdings ist das Sortiment klein, und vielfach fehlen Arzneien. Das meiste Material, das für eine Behandlung nötig ist, muss von Angehörigen in Apotheken gekauft werden.

Benötigt ein Nepalese medizinische Hilfe, wird es schwierig. So müssen beispielsweise Bewohner abgelegener Regionen, die einen Arzt sehen möchten, zuweilen einen mehrtägigen Fussmarsch auf sich nehmen. In kleineren und grösseren Städten kann man sich in einer Ambulanz transportieren lassen. Auch dies eine Variante, wie sie für Westler kaum vorstellbar ist, denn bei den Ambulanzen handelt es sich um kleine, einfachste Jeeps mit einer lauten Sirene, einem Blaulicht auf dem Dach und einer eingebauten spartanischen Liege – medizinische Ausrüstung gibt es keine. Und die Besatzung besteht lediglich aus einem Fahrer ohne notfallspezifische Kenntnisse. Oft  nehmen Patienten durch die unprofessionelle Hilfe dieser Fahrern zusätzlich Schaden, zum Beispiel, wenn sie nach einem Verkehrsunfall falsch geborgen werden. Bei Notfällen werden Schwerkranke oder Schwerverletzte  manchmal per Helikopter transportiert – auch hier ohne medizinische Betreuung und zu einem Preis, für den sich die Angehörigen über Jahrzehnte verschulden müssen.